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Nachbericht zum Infoabend "Wasser und Wassermangel" am 11.5.2017

30.05.2017

Die Interessierten, die an diesem Abend in den Felsenkeller zum Thema "Wasser und Wassermangel" gekommen waren, erhielten einen durchaus außergewöhnlichen Vortrag über Wasser.

Joachim Türk – lange Jahre Chefredakteur der Rhein-Zeitung, heute Lehrbeauftragter an der FH in Köln – brachte den Anwesenden zunächst in unterschiedlicher Form diesen lebenswichtigen und unglaublichen Stoff WASSER nahe. Täglich gehen wir mit diesem Element um, wir bestehen selber zu einem großen Teil aus Wasser und brauchen es dringend zum Leben. Aber eigentlich wissen wir nicht einmal genau, wo es herkommt.

Jedenfalls ist mindestens die Hälfte des Wassers älter als die Sonne, und wahrscheinlich stammt unser Wasser aus dem Weltall, von Asteroiden transportiert. Wasser prägt alle Schöpfungsriten der Religionen und auch unsere Kultur in Kunst und Musik, wie wir bei verschiedenen kurzen Einspielungen erleben konnten. Wasser ist durch nichts zu ersetzen – ohne Wasser überleben wir maximal 5 Tage.

Wie gut, dass wir Wasser nicht verbrauchen können, sondern nur gebrauchen, denn wir nutzen es in einem Kreislauf: Gebrauch, Regeneration und neuerlichen Gebrauch.

Stadtgründungen und Ansiedlungen geschahen oft an Wasserstellen. Wasser wurde geschützt und verteidigt, auf Missbrauch wie Brunnenvergiftungen standen hohe Strafen. Dies gibt es heute nicht mehr, und Wasserverschmutzung ist heute weltweit ein großes Problem.
70 % der Erde ist von Wasser bedeckt, davon ist allerdings 97,5 % Salzwasser. 23,4 Mio m³ Grundwasser gibt es insgesamt, 3,6 Mio m³ sind in Flüssen und Seen als Trinkwasser vorhanden. Die Menge ändert sich nicht. Lediglich die Zeit zur Regeneration wird heute problematisch: es geht nicht im Zeitrafferverfahren und wir verschmutzen zu viel zu schnell.
Früher war Wasser heilig. Im ersten Teil von Gesetzen ging es um Wasserregeln. Schon früh gab es Bewässerungsanlagen und auch die ersten Kriege ums Wasser. Heute gilt Deutschland als wasserreich, was allerdings nicht mehr so ganz stimmt. Der Grundwasserspiegel sinkt zum Teil drastisch und die Reinigung wird immer schwieriger. Jährlich werden 300.000 Tonnen Schlamm aus dem Wasser gefiltert. Auch wenn heute Flüsse nicht mehr als Abwasserkanäle genutzt werden, gelangen über die intensive Landwirtschaft, über Chemie und Gülle zu viel Nitrate ins Grundwasser, so dass der Nitratgehalt in vielen Regionen deutlich zu hoch ist. Bereits 2010 war das Grundwasser von 15% der landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr als Trinkwasser zu gebrauchen. Die Verdichtung durch zu große Maschine führt außerdem dazu, dass das Regenwasser nicht einsickern kann und zum Grundwasser gelangen kann, sondern abfließt.
Dazu wird in anderen Ländern der Erde, die wesentlich weniger Wasser haben, für die Erzeugung unserer Lebensmittel- und Konsumprodukte viel Wasser verbraucht: 20.000 Liter für 1 kg Baumwolle, 15.000 Liter für 1kg Rindfleisch, 4.500 Liter für 1 Kilo Eier, 2.500 Liter für 1 T-Shirt. Eine Avocado braucht 400 Liter Wasser!

 

Das sogenannte „virtuelle“ Wasser spielt bei den Ökolabels bisher aber noch keine Rolle.

 

Nicht nur die Swimmingpools in Kalifornien und die vielen Golfplätze in Spanien verbrauchen lebensnotwendiges Wasser, auch die Monokulturen für den Export in den südlichen Ländern der sogenannten Dritten Welt führen zu extremen Wasserverbrauch und letztendlich auch zu einer Degradierung der ehemals fruchtbaren Böden. Wüsten entstehen: mittlerweile 15% ehemaliger Ackerfläche sind unbrauchbar. Dort würde besser und sinnvoller in traditioneller Weise angebaut.
Der Versuch, Meerwasser zu entsalzen, ist nicht wirklich erfolgreich – es ist unglaublich energieaufwändig und nicht nachhaltig.


Schlussfolgerungen: Wasser muss mit einem Wert versehen werden. Staatliche Stellen müssen die Kontrolle darüber haben und nicht private Firmen, die damit wirtschaften. Ein lebensnotwendiges Gut darf nicht ökonomischen Theorien unterworfen werden. Es gibt ein Menschenrecht auf Wasser (zu verankern in der UN Charta). Darum kann Wasser eigentlich kein Wirtschaftsgut sein, dessen Preis sich an Angebot und Nachfrage orientiert.